08.04.2026

Vorreiterrolle

Siegelübergabe im Schullandheim Pottenstein (v. l. n. r.): Sandra Böhner, Geschäftsführerin des Schullandheimwerk Oberfranken e.V., Landesvorsitzender Bioland Bayern Thomas Lang, Koch Wolfgang Kress, Josef Schmidt vom Bioland-Vorstand Bayern, Köchin Angelika Müller und Bereichsverantwortliche der Hauswirtschaft Christin Schick. Foto: Nina Burgrainer

Das Schullandheim Pottenstein im Landkreis Bayreuth in Oberfranken ist jetzt offiziell Bioland-Gastronomie-Partner und wurde Anfang April mit dem Bronze-Siegel ausgezeichnet. Damit nimmt die Einrichtung eine Vorreiterrolle ein: Pottenstein ist das zweite Schullandheim in ganz Deutschland mit Bioland-Zertifizierung – in Bayern ist es sogar das erste.

Die Auszeichnung wurde von Thomas Lang, Landesvorsitzender von Bioland Bayern, sowie von Josef Schmidt, Mitglied im Bioland-Landesvorstand und regionaler Bio-Fleischlieferant des Schullandheims, überreicht. Mit der Auszeichnung wird gewürdigt, dass bereits mindestens 30 % der eingesetzten Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung stammen. Perspektivisch strebt das Schullandheim die Weiterentwicklung hin zu den Stufen Silber und Gold an. Auch weitere Einrichtungen planen eine entsprechende Zertifizierung.


"Das ist ein starkes Zeichen für mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung. Gerade Jugend und Bio passen hervorragend zusammen. Und wir sehen hier ganz konkret: Bio-regional lässt sich auch im ländlichen Raum hervorragend umsetzen. Die Bio-Landwirtschaft vor Ort wird gestärkt und erlebbar gemacht", betonte Thomas Lang bei der Übergabe. Auch für Bioland Bayern hat die Entwicklung in Pottenstein eine besondere Signalwirkung. Josef Schmidt unterstreicht die Bedeutung: "Für uns als Verband ist das ein wichtiger Standort und ein echtes Vorzeigeprojekt in Oberfranken. Pottenstein kann andere Schullandheime und Jugendeinrichtungen motivieren, ebenfalls mehr Bio-Lebensmittel einzusetzen."


Der Kontakt zwischen Bioland und dem Schullandheim entstand im Jahr 2025 über Josef Schmidt, der die Einrichtung mit Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Bioland-Erzeugung beliefert. Seine Rinder und Schweine stammen aus artgerechter, ökologischer Weidehaltung und stehen exemplarisch für regionale Wertschöpfung und nachhaltige Landwirtschaft.


Bildungsauftrag konsequent umgesetzt


Das Schullandheim Pottenstein versteht die Umstellung auf Bio nicht nur als Qualitätsmerkmal, sondern als konsequente Umsetzung seines pädagogischen Auftrags. Sandra Böhner, Geschäftsführerin des Schullandheimwerk Oberfranken e. V. erklärt: "Wir können nicht Wein predigen und Wasser trinken. Wir müssen glaubhaft sein. Wenn wir Alltagskompetenzen vermitteln, müssen wir das auch bei der Verpflegung durchziehen." Als außerschulischer Lernort vermittelt das Schullandheim Wissen über Herkunft, Produktion und Qualität von Lebensmitteln. Kinder und Jugendliche erfahren, was ökologische Landwirtschaft bedeutet, wie Tiere gehalten werden und warum nachhaltige Ernährung wichtig ist. Themen wie Tierwohl, nachhaltiger Anbau und bewusste Ernährung werden so nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch erlebbar gemacht.


Schritt für Schritt zur Bio-Küche


Der Weg zur Zertifizierung war ein bewusster Prozess: Schrittweise wurden immer mehr Lebensmittel auf Bioqualität umgestellt – angefangen bei den Eiern. Koch Wolfgang Kress beschreibt die Entwicklung aus praktischer Sicht: „In vielen Bereichen macht die Umstellung auf Bio- bzw. Biolandprodukte Sinn, weil der Geschmack besser ist, z. B. bei den Eiern. Auch sind Tiere längere Zeit in ihrem natürlichen Umfeld und das ist schön. Es ist ein Abwägen zwischen Wirtschaftlichkeit und Idealismus." Gemeinsam mit Köchin Angelika Müller und Hauswirtschaftsleiterin Christin Schick hat das Team die Umstellung engagiert vorangetrieben. Gemeinsam wurde die Küche neu ausgerichtet, Speisepläne angepasst und der Einsatz bio-regionaler Produkte ausgebaut. Das Ergebnis: Frische, handwerklich zubereitete Speisen mit hohem Bio-Anteil.


Nachhaltigkeit, die man schmeckt


Im Schullandheim Pottenstein wird das, was im Unterricht vermittelt wird, im Alltag gelebt: Kinder können beim Frühstück Bio-Haferflocken selbst mahlen und so unmittelbar erleben, wie Lebensmittel entstehen. Überschüsse werden sinnvoll weiterverarbeitet, und bio-regionale Produkte stärken die Landwirtschaft vor Ort. Rainer Pausch, Fachberater für den Außer-Haus-Markt bei Bioland e. V., zeigt sich begeistert: "Im Schullandheim Pottenstein durfte ich ein hoch engagiertes Team antreffen. Allen liegt die in den Bildungsangeboten fest verankerte Ernährungsbildung und damit auch eine gesunde Ernährung am Herzen. Und der hausgemachte Mohnkuchen ist einfach ein Traum, schon allein deshalb lohnt sich ein Besuch in diesem Schullandheim."


Mit der Bronze-Auszeichnung als Bioland-Gastronomie-Partner setzt das Schullandheim Pottenstein ein klares Zeichen für eine nachhaltige, gesunde und zukunftsfähige Verpflegung. Gleichzeitig ist es ein inspirierendes Beispiel dafür, wie Bio, Bildung und regionale Landwirtschaft erfolgreich zusammenwirken können.


 


Hintergrund: Zum Bioland-Gastronomie-Konzept


Bioland unterstützt bereits seit mehr als 20 Jahren Gastronomie, Hotellerie, Catering-Unternehmen und Großküchen als kompetenter Partner beim Einsatz von heimischen Bio-Lebensmitteln. Dazu gehören Beratungen, Schulungen, regionale Rohwarenbeschaffung sowie Hilfestellungen beim Marketing und Gästekommunikation. Das Bioland-Gastronomiekonzept umfasst vier Stufen: Die Einstiegsstufe Bronze mit einem Bio-Anteil von 30 - 50 %, Silber mit 50 – 90 % Gold, mit 90 - 99 % Bio-Anteil und die höchste Auslobung (seit Januar 2026) Gold plus mit 100 % Bio-Anteil. Gastronomie Partner legen besonderen Wert auf die handwerkliche und frische Zubereitung der Speisen, heimische und saisonalen Bio-Herkunft sowie ressourcenschonende Betriebsführung. Einmal jährlich erfolgt eine Bio-Kontrolle durch eine unabhängige Kontrollstelle. Weitere Informationen zum Gastronomie-Konzept von Bioland finden sich hier.


Bioland-Verband: Bioland ist der bedeutendste Verband für ökologischen Landbau in Deutschland und Südtirol. Rund 10.000 Betriebe aus Erzeugung, Herstellung und Handel wirtschaften nach den Bioland-Richtlinien. Gemeinsam bilden sie eine Wertegemeinschaft zum Wohl von Mensch und Umwelt.


www.bioland.de