15.03.2026

Spiegel der Ambitionen

Der Deutsche Gastro-Gründerpreis ist ein Spiegel der Ambitionen und Schaufenster gastronomischer Innovationskraft. Beim spannenden Finale auf Internorga standen die Pitches der fünf Nominierten erneut beispielhaft für das Herzblut, die Leidenschaft sowie die zahllosen schlaflosen Nächte, die notwendig sind, den Traum von der eigenen Gastronomie trotz schwieriger Rahmenbedingungen wahr werden zu lassen.

Und genau dies zeichnet den seit mehr als zehn Jahren von der Internorga, dem Leaders Club Deutschland und dem Kassensystemhersteller Orderbird ausgelobten Preis aus: inspirierende Persönlichkeiten, ihre einzigartigen Ideen für die Branche und ihr von großer Liebe zum Handwerk geprägter Durchhaltewille.


Auffällig wichtig ist bei allen diesjährigen Finalisten Coffee, Brownies & Downies, Gestüts-gasthof Offenhausen, NOI, Rübenrot und Schmarrnsinn auch der Community-Gedanke. Den Gründerinnen und Gründer geht es längst nicht mehr nur darum, leckeres Essen und Getränke zu servieren: Sie wollen Menschen zusammenbringen und Gemeinschaft stiften – innerhalb ihres Teams und unter den Gästen. Das funktioniert durch ein faires Miteinander auf allen Ebenen – Gewinnstreben ist sekundär, im Fokus stehen Emotionen und Erlebnisse.

Ganz besonders gilt dies für den Gewinner NOI, der sich im Voting der rund 300 anwesenden Branchenprofis und der Social-Media-Follower gegen die starke Konkurrenz durchsetzen konnte:

Die Geschichte des NOI beginnt im Sommer 2024 wie ein Märchen: Vier Freunde – einer ist Koch, ein zweiter verfügt über viel Erfahrung im Event- und Cateringbusiness, der dritte kommt aus der datenbasierten Prozesssteuerung – genießen einen schönen Abend in einem kleinen Restaurant im Belgischen Viertel in Köln. Da erzählt ihnen der Wirt, dass er den Laden aufgeben muss. Milan, Bernd, Geo und David schauen sich an, beratschlagen – und entscheiden dann: Wir retten diesen wunderbaren Ort! 

Im Herbst 2024 eröffnen sie in dem nur 45 qm kleinen Gastraum ihr italophiles Konzept „NOI – Cena con Amici" mit 30 Sitzplätzen und laden ihre Gäste seither zum italienischen Abendessen mit Wir-Gefühl ein, bei dem aus Fremden Freunde werden. Das NOI bietet dafür eine Bühne, auf der die Menschen, die hier zusammenkommen, eine ganz besondere Stimmung kreieren. Im Hintergrund steuern digitale Tools und KI effizient die Personal- und Speisenplanung, Ein-kauf, Tischbelegung und eine Food Waste-Quote von unter 5 %. 

Auch der Bestseller Pasta Tartufo auf Carpaccio ist das Ergebnis exakter Datenanalyse: „Für die Trüffelpasta auf Rindercarpaccio haben wir die beiden beliebtesten Gerichte einfach kombiniert", erklärt Geschäftsführer Geo Sotiriou die Entstehung des Signature Dishs. Das Gericht ist eine der wenigen Konstanten im Kreis der rund 100 verschiedenen, stetig wechselnden Rezepturen, die ganz nah am Gast in der offenen Küche aus frischen und regionalen Zutaten zubereitet werden. Die Fusion aus Tradition und moderner Interpretation ist den Gästen im Schnitt 70 Euro wert.

Ihre Learnings in Sachen Ambient Dining 2.0 möchten die vier gerne an andere Gründer mit wenig Budget weitergeben. Denn sie sind überzeugt: Auch in kleinen Restaurants kann Großes passieren, wenn Gastronomie wieder näher an den Menschen rückt! 

www.noi noi-cologne.com

Attraktive Preise und wertvolle Unterstützung

Die 10.000 Euro Preisgeld, gesponsert von der Redo Gastronomy Academy, ein Coaching in der Persönlichkeitsschmiede von Frank Simmeth sowie eine 40-stündige Beratung durch den Leaders Club Deutschland sollen helfen, das Sieger-Konzept weiter am Markt zu etablieren und die zukünftige Unternehmensentwicklung zu professionalisieren. Alle Finalistinnen und Finalisten dürfen sich außerdem wie immer über attraktive Geld, Sach- und Coaching-Preise freuen: Neben medialer Unterstützung, einem Orderbird PRO Kassensystem inklusive Jahreslizenz, Kartenleser und iPad Air und zwei Jahren kostenfreier Gastmitgliedschaft im Leaders Club Deutschland steht jeweils ein Jurymitglied den Gründerinnen und Gründern als Mentorin bzw. Mentor zur Seite. Darüber hinaus verleihen ein professionelles Fotoshooting sowie die kostenlose Teilnahme am Internationalen Foodservice-Forum den nominierten Startups weiteren Schwung. Großer Dank gilt den Unternehmen Bon Bon, Meiko, Coca-Cola Europacific Partners, CF Gastro Service und Valdo Spumanti für ihre tatkräftige Unterstützung.

Wichtiger Gradmesser für die Branche

"Für uns als Internorga ist der Deutsche Gastro‑Gründerpreis ein wichtiger Gradmesser dafür, wohin sich die Branche entwickelt. Die diesjährigen Finalistinnen und Finalsiten beweisen, dass gute Gastronomie auf Haltung, Kreativität und einem starken Teamgeist basiert. Genau solche Konzepte braucht es, um zu zeigen, wie viele Energie und Leidenschaft in der Branche stecken", resümiert Matthias Balz, Direktor Internorga, den hochkarätigen Event. 

Der schon bald in die nächste Runde geht: Vom Sommer an können sich Gründerinnen und Gründer, deren Gastronomie-Konzept nicht länger als zwei Jahre am Markt ist oder sich in der Gründungsphase befindet, für den Gastro-Gründerpreis bewerben – und dann vielleicht im nächsten Jahr jubeln wie die Gewinner Geo Sotiriou und Milan Maas, die ihr Glück kaum fassen konnten: "Das ist wirklich surreal. Wir haben den Preis in den vergangenen Jahren verfolgt und uns vorgestellt, einmal auf dieser Bühne zu stehen. Dafür, dass es heute Realität geworden ist und wir gewonnen haben, sind wir unglaublich dankbar. Vor allem unserem Team, denn ohne die Menschen dahinter geht es nicht!"

www.gastro-gruenderpreis.de

Die weiteren Finalistinnen und Finalisten:

Coffee, Brownies & Downies, Oberursel

Wer Inklusion ernst meint, muss Menschen mit Schwerbehinderung in den ersten Arbeitsmarkt bringen. Das ist die Botschaft von Max C. Luscher und Roland Braza. Beide sind jeweils Vater eines behinderten Sohnes und wollen deren gesellschaftliche Ausgrenzung nicht hinnehmen. Mit Coffee, Brownies & Downies haben sie Ende 2024 in Oberursel bei Frankfurt am Main einen Ort für alle geschaffen, der nicht nur die Gäste mit einem gemütlichen Ambiente, Premium-Service und leckeren Speisen glücklich macht, sondern auch den schwerbehinderten Mitgliedern des Teams eine echte berufliche Perspektive bietet.

Bei der Entwicklung des gastronomischen Konzepts half langjährige Erfahrung in der Hotellerie. Auf den schwer zu durchdringenden bürokratischen Dschungel in Zusammenhang mit der Beschäftigung von Behinderten trafen die beiden dagegen unvorbereitet. Doch für ihre "Downies" – die liebevoll-freche Bezeichnung soll bewusst Aufmerksamkeit erregen – lohnt sich der Kampf: "Behinderte wollen keine Sonderbehandlung, sie wünschen sich echte Teilhabe", sagt Luscher. "Dazu braucht es privatwirtschaftliche Initiativen."

Vorbilder in Frankreich und den Niederlanden zeigen, dass es funktioniert. Geht es nach den Gründern, sorgen in Zukunft deutschlandweit 50 bis 100 Coffee, Brownies & Downies-Cafés für ein politisches wie gesellschaftliches Umdenken. Dazu haben sie ein effizientes, möglichst barrierefreies Konzept mit einer menschenzentrierten Arbeitskultur etabliert, das sie per Franchising multiplizieren wollen. Auf der Speisekarte: Lieblingsgerichte von der Waffel bis zum Club Sandwich, teilweise von Sterneköchinnen und Sterneköchen rezeptiert. Den eigenen Kaffee von der Frankfurter Rösterei Hoppenworth & Ploch dürfen sehr gerne auch andere Gastronominnen und Gastronomen ausschenken, die die Idee der Inklusion unterstützen möchten.

www.coffeebrowniesanddownies.de

Gestütsgasthof Offenhausen, Gomadingen

Marc und Anja Winter haben das Gastro-Gen von ihren Eltern geerbt, die auf der Schwäbischen Alb ein Landhotel betreiben. Wer dieses Gen besitzt, der schmiedet beim Anblick ungenutzter Flächen sofort innerlich Pläne, was hier gastronomisch möglich wäre. Der Gestütsgasthof Offenhausen ist so ein Ort, der Gastro-Visionen inspiriert: Einst eine traditionsreiche und überregional bekannte Gaststätte in einem historischen Klosterhof nahe des Baden-Württembergischen Landesgestüts Marbach, lag das Lokal zwölf Jahre im Dornröschenschlaf, bereit für das nächste Kapitel seiner langen Geschichte.

Für Marc Winter, zuvor unter anderem als Küchenchef im elterlichen Betrieb und bei Alfons Schuhbeck in München tätig, die Chance, sich den Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen, bei dem ihn seine Schwester Anja tatkräftig unterstützt. "Wir haben etwas zurückgeholt, das verloren schien und sehr vermisst wurde – und mussten bei null anfangen", erzählt Anja Winter von der Wiedereröffnung des Gestütsgasthofs mit 150 Sitzplätzen im Juni 2024.

Mit ehrlich gelebtem Gastgebertum, Gerichten, die wie Rostbraten, Maultaschen oder Käsespätzle nach Kindheit und Zuhause schmecken, Wild aus der eigenen Jagd und verlässlich-herzlichem Service legten der Küchenmeister und die Hotelfachfrau den Grundstein für ein in jeder Hinsicht enkeltaugliches Unternehmen für die nachfolgenden, mit dem Gastro-Gen ausgestatteten Generationen.

Klar strukturierte Abläufe schaffen bei Gästen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Vertrauen in die Kontinuität, Produkte von lokalen Partnerinnen und Partnern stärken die Region und setzen Zeichen für Nachhaltigkeit. "Es geht nicht darum, laut zu sein, sondern relevant", fasst Marc Winter das besondere Konzept für einen besonderen Ort zusammen. „Die schwäbische Alb ist kein Ort für Experimente."

www.gestuetsgasthof.de

Restaurant Rübenrot, Augsburg

Aus einem "Lost Place" im Augsburger Arbeiterstadtteil Hochfeld hat Köchin Katja Kaminski im Mai 2025 mit viel Tatkraft, Eigenleistung und Idealismus eine quietschbunte Oase der Nachhaltigkeit gemacht. In ihrem veganen Restaurant und Biergarten "Rübenrot" kredenzt die Autodidaktin an 3,5 Tagen pro Woche nach dem Motto "Kraut und Rüben statt Einheitsbrei" mit ihren acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, liebevoll "Rübis" genannt, ehrliche pflanzliche Küche, für die sie die Zutaten selbst anbaut und handwerklich verarbeitet.

Auf der Karte stehen gemüsefokussierte Gerichte, veganisierte Biergartenklassiker und saisonal hausgemachte Limonaden. Was nicht im eigenen Kräuter- und Gemüsegarten wächst, stammt aus der Region und wird zum Teil umweltfreundlich mit dem Lastenfahrrad angeliefert. Die wenigen weit gereisten Produkte wie beispielsweise Kaffee sind fair produziert und gehandelt. Das Preisspektrum? Ebenfalls fair und moderat.

Doch Fairness hört für die Gründerin nicht beim Produkt oder den Gästen auf: Das solidarischen Lohnkonzept garantiert allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – egal, ob Reinigungskraft, Köchin, Betreiberin oder Servicepersonal – den gleichen Verdienst von aktuell 15 Euro pro Stunde und so ein Miteinander auf Augenhöhe ohne personelle Fluktuation. "Unser Team ist durch und durch authentisch – wir machen das, worauf wir Bock haben", sagt Kaminski. Und Bock hat sie auf vieles: zum Beispiel Livemusik im Biergarten, Sonntagsbrunch, vegane Weihnachtsbraten, demnächst auch eine eigene Räucherei und Käseherstellung.

"Kochen ist meine Freiheit", blickt Kaminski stolz auf ihr 130-Sitzplätze-Lokal, das sie in Zukunft noch flexibler bespielen will. Zu Recht: Nicht nur der Schlemmeratlas, der das Rübenrot zu den 50 besten veganen Restaurants in Deutschland zählt, sondern auch die Augsburgerinnen und Augsburger sind begeistert von Kaminskis klarer Haltung und nachhaltiger Kulinarik.

www.ruebenrot-augsburg.de

Schmarrnsinn, Frankfurt am Main

Jeder und jede kennt und liebt Kaiserschmarrn. Aber die meisten genießen die österreichische Mehlspeise nur auf Berghütten im Alpenurlaub. Das ist definitiv zu selten, finden Kathey Tran und Antonio Maslov. Was liegt also näher, als den Klassiker mit einem frechen neuen Konzept mitten in Deutschlands Citys zu bringen?

Nach erfolgreichen Probeläufen mit Pop-ups in ihrer Heimatregion Frankfurt am Main haben die Marketing-Expertin und der Operations-Profi im Dezember ihr erstes Kaiserschmarrn-Café namens "Schmarrnsinn" im Bankenviertel der Main-Metropole eröffnet. Hier servieren sie an sieben Tagen pro Woche üppig getoppten Kaiserschmarrn und erreichen damit auf Instagram 57.000 Follower beziehungsweise bis zu 6,6 Mio. Views. "Bei uns kann man sich aus dem täglich frisch vor Ort gebackenem Next-Level-Kaiserschmarrn plus Toppings wie Früchten, Eis, Soßen und Schokolade seinen eigenes Traumprodukt zusammenstellen", erklärt die Gründerin das Konzept.

Zwar bietet das Schmarrnsinn 15 bis 20 Sitzplätze, der konzeptionelle Schwerpunkt liegt aber auf dem Take-away-Kanal, wo der Umwelt zuliebe Schalen aus nachhaltiger Pappe und biologisch abbaubares Besteck zum Einsatz kommen. Der Community ist der besondere Genuss im Schnitt zwischen 15 und 20 Euro wert. Nicht nur deshalb ist Tran überzeugt: Kaiserschmarrn ist mehr als ein Trend. "Wir sind anders als andere Hype-Produkte, wachsen dank vieler Stammkundinnen und -kunden."

Für Abwechslung sorgen immer wieder neue Zutaten in der Topping-Theke wie Dubai Schokolade oder Pumpkin Spice. Zum 60 qm großen Frankfurter Pilotstandort sollen sich schon bald mehrere Franchise-Outlets in anderen deutschen Großstädten gesellen. Die emotional aufgeladene Marke und die engagierte Insta-/TikTok-Fanbase sollen ebenso wie die attraktive Marge von 60 % helfen, zukünftige Partnerinnen und Partner für das Konzept zu gewinnen.

schmarrnsinn.de