23.04.2026

Wiesn Wirte nehmen Stellung

Foto: München Tourismus / B. Roemmelt

Die Vereinigung der Münchner Wiesn Wirte sprechen sich für eine Beibehaltung der bislang geltenden Regeln der Stadt München bei der Zeltvergabe auf dem Oktoberfest aus.

Es herrscht Aufruhr in München: Wirt Alexander Egger, der mit seiner Frau Kathrin Wickenhäuser-Egger das kleine „Münchner Stubn"-Zelt auf dem Oktoberfest betreibt, hat über seine Anwälte eine „Nachprüfung ausschreibungsrelevanter Aspekte bei der Vergabe der Standflächen für die großen Festzelte" auf dem Münchner Oktoberfest beantragt. Er fordert, dass sich die Stadt an das europäische Vergaberecht halten soll, was zur Folge hätte, dass die Standplätze europaweit ausgeschrieben werden müssten. Bisher werden die Zelte von der Stadt München nach einem Punktesystem vergeben – einem System, das historisch gewachsen ist und immer wieder angepasst wurde.


Konkret gehe es Egger um die Standplätze des Paulaner- und des Schottenhamel-Zeltes, für die er sich als Geschäftsführer der WE Gutshof GmbH beworben hat. Ersteres ist in der Hand einer Brauerei und zweiteres wird von der Familie Schottenhamel seit fast 160 Jahren geführt. Aber auch sie muss sich jedes Jahr neu bewerben.


"Die Vergabepraxis hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist ein Garant dafür, dass die Wiesn nach wie vor ein Ort ist, an dem unser bayerisches Brauchtum gepflegt und unsere Traditionen hochgehalten werden!", sagt Sprecher Christian Schottenhamel. "Das Oktoberfest ist ein Stück bayerische Heimat und das sollten wir nicht opfern – und riskieren, dass daraus ein Wischi-Waschi-Fest wird."


In die gleiche Kerbe schlägt Peter Inselkammer: "Die Wiesn steht für München, Bayern, unsere Werte und unsere Lebensart. Wir sollten diese Tradition nicht aushöhlen, denn dann wird das Oktoberfest irgendwann nicht mehr so sein, wie wir es schätzen und lieben."


Beide Sprecher weisen darauf hin, dass 80 % der Wiesn-Besucher aus München und dem Umland kommen – und dass es ein Fest des Münchner Bieres ist. "Wir freuen uns über die zahlreichen internationalen Gäste", so Schottenhamel, "sie kommen aber deswegen gerne zu uns, weil wir so sind wie wir sind und weil sie hier unsere bayerische Kultur hautnah erleben können."


In der Erklärung heißt es weiter: In seiner mehr als 200-jährigen Geschichte wurde das Münchner Oktoberfest verantwortungsvoll und traditionsnah weiterentwickelt. So ist die Wiesn zu einem einzigartigen Kulturgut geworden, das man schützen muss. "Dies sollte niemals persönlichen Interessen geopfert werden". Die Vergaberegeln für die Wiesn Zelte seien, so die beiden Sprecher weiter, tief verwurzelt in der Münchner Geschichte. Sie wurden immer wieder zeitgemäß erneuert und haben auch in der Vergangenheit mehreren gerichtlichen Überprüfungen Stand gehalten.


Wie der BR berichtet, wird die Eingabe nun bei der Vergabekammer Südbayern, die bei der Regierung von Oberbayern angesiedelt ist, geprüft. Dies könne bis zu fünf Wochen, also bis zum 25. Mai, dauern. Könne aber bei „besonderen tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten" verlängert werden. Derweil dürfe die Stadt München allerdings keine Zulassungsverträge für das Paulaner- und das Schottenhamel-Zelt abschließen, habe aber die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben, heißt es in dem BR-Bericht weiter.


Die tz berichtet darüber hinaus, dass Eggers Team vor Gericht ziehen wolle, sollte die Vergabekammer im Sinne der Stadt entscheiden. Wörtlich heißt es dort: „Sollte die Vergabekammer unserer Auffassung nicht folgen, werden wir die zweite Instanz, den Vergabesenat des Bayerischen Obersten Landesgerichts, anrufen. Auch eine Befassung des Europäischen Gerichtshofs kann nicht ausgeschlossen werden."


Es bleibt also spannend in München. Die Frage die sich stellt: Kann es überhaupt einen Gewinner geben, sollte ein Gericht für eine europaweite Ausscheibung der Standplätze entscheiden?