25.08.2026
Für Gastronomie und Hotellerie entscheidet nicht allein der Einkaufspreis darüber, ob ein Wein ins Sortiment passt. Ebenso wichtig sind eine nachvollziehbare Herkunft, ein eigenständiger Stil und eine Auswahl, die dem Service gute Argumente für Beratung und Verkauf liefert.
Ein durchdachtes Weinangebot beginnt mit der Frage, welche Rolle der Wein im Gesamterlebnis des Gastes spielen soll. Tragen Küche, Ambiente und Service eine erkennbare Handschrift, kann eine beliebig zusammengestellte Weinkarte schnell wie ein Fremdkörper wirken. Weine mit Herkunft und einer eigenen Geschichte schaffen dagegen Gesprächsanlässe und machen Empfehlungen nachvollziehbar.
Das Familienweingut von Anika und Marc Josten bewirtschaftet Weinberge an der Ahr und am Mittelrhein. Die Weine sollen die jeweiligen Rebsorten, Lagen und Jahrgangsbedingungen widerspiegeln. Für eine klare Orientierung gliedert das Weingut sein Sortiment in Guts-, Orts- und Lagenweine.
Diese Einteilung lässt sich zugleich als Dramaturgie für die Weinkarte nutzen. Gutsweine eignen sich als zugänglicher Einstieg und für den offenen Ausschank. Ortsweine bieten mehr Eigenständigkeit und können gezielt zu Speisen empfohlen werden. Lagenweine kommen für besondere Menüs, hochwertige Weinbegleitungen oder als charakterstarke Empfehlung für Gäste infrage, die etwas Außergewöhnliches suchen.
Als Beispiel für das obere Segment nennt das Weingut den 2019er Gartenlay Grauburgunder. Er soll Kraft und Eleganz miteinander verbinden und verdeutlichen, wie sich ein einzelner Wein als besonderer Akzent in der Beratung inszenieren lässt.
Gerade in Hotels kann eine nachvollziehbar aufgebaute Kollektion über das Restaurant hinaus eingesetzt werden – von der Bar über Bankette und Veranstaltungen bis zum Zimmerservice. Entscheidend ist allerdings, dass die Unterschiede zwischen den Weinen verständlich vermittelt werden. Erst durch eine klare Weinkarte, passende Speisenempfehlungen und einen entsprechend geschulten Service wird aus dem Sortiment ein Verkaufsinstrument.
Wer die Weinkarte als Teil seiner Gastgeberidentität versteht, entscheidet deshalb nicht nur zwischen günstig und hochwertig, sondern zwischen austauschbar und erinnerungswürdig.
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